Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Kufen,
in Ihrem Vorwort zur Broschüre „Für den Notfall vorsorgen – Richtiges Handeln in Krisensituationen“ stellen Sie Geflüchtete – in einer Reihe mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, Terroranschlägen und Naturkatastrophen – als Bedrohung dar. Gerade in unsicheren Zeiten haben Sie als Oberbürgermeister eine besondere Verantwortung dafür, einerseits die Sorgen der Essenerinnen und Essener ernst zu nehmen und andererseits eine klare Grenze zu rechter Stimmungsmache zu ziehen. Diese Grenze haben Sie gleich im ersten Satz Ihres Vorwortes deutlich überschritten. Sie bedienen flüchtlingsfeindliche Diskurse und entmenschlichen Schutzsuchende, indem Sie die Tatsachen verdrehen: Menschen suchen in Deutschland Schutz, weil sie vor Kriegen, Terrorismus und Naturkatastrophen fliehen. Sie machen aus diesen Menschen eine abstrakte Gefahr und schüren Ressentiments. Das ist vor allem in Zeiten gesellschaftlicher Verunsicherung unverantwortlich!
Mit einer Kundgebung am 19. März ab 17 Uhr an der Marktkirche in der Essener Innenstadt fordern die Seebrücke Essen und ProAsyl/Flüchtlingsrat Essen Sie auf, diese Darstellung zu korrigieren. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Wochen gegen Rassismus (16. – 29. März) statt. Glaubhaft ist das Bekenntnis zu Antirassismus und "100% Menschenwürde" nur, wenn die Stadtspitze nicht selbst flüchtlingsfeindliche Diskurse bedient.
Flüchtende Menschen haben das Recht auf Asyl und Solidarität!
Viele Grüße
Renate Henscheid
(Seebrücke Essen)
Markus Wild
(ProAsyl/Flüchtlingsrat Essen)



